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Der Hausherr ist verrückt geworden

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger IL-Jerusalem, 06.12.2023, 20:20 Uhr
Kommentar: +++ Politik +++ Bericht 5895x gelesen

IL-Jerusalem [ENA] Ewas Grundlegendes hat sich in der israelischen Gesellschaft ereignet, seit am 7. Oktober die in voller Armeestärke ausgerüstete Terrororganisation Hamas ihre grauenvolles Massaker an israelischen Zivilisten, Soldaten und ausländischen Staatsbürgern in der westlichen Negev-Wüste begangen hatte. Die gesellschaftliche Kluft zwischen verfeindeten politischen Lagern hatte sich gezwungenermassen schlagartig geschlossen.

Während Monaten prügelten von links dominierte Gruppierungen – sehr oft von ausländischen Nichtregierungsorganisationen mitfinanziert – auf die Regierung Netanyahu in Angelegenheit der von der bürgerlichen Regierung initiierten Justizreform ein. Unweit des Militärbunkers in Tel Aviv, wo nun der Generalstab mit dem Kriegskabinett zu Rate sitzt, um die nächsten operativen Schritte im Kampf gegen Hamas zu orchestrieren, an der Kaplanstrasse, sammelten sich regelmässig etliche Zehntausende erboster Bürger, und beharrten – mit ideologisch starker Schlagseite zugunsten eines Israels, deren jüdische Kriterien sie zugunsten eines "Staates für jedermann" abgeschafft wünschten – auf demokratisch unausgewogene Politik, entgegen des Wählerwillens.

Gestandene Militärs wollten ihren Reservedienst nicht mehr leisten, Flugpiloten keine Bomben an Bord nehmen, Reservisten Einsatzbefehlen nicht Folge leisten. Obschon bloss eine Minderheit Militärpflichtiger mit der Aussetzung ihrer Aufgaben drohten, verfehlte das den gewissen Eindruck, den sie schinden wollte, keineswegs. Man wähnte sich aufgrund der überproportionalen Aufmerksamkeit, die die linkslastigen Mainstream-Medien den betroffenen Personen gewährten, bereits in einem unterwanderten staatlichen Konstrukt, dessen demokratische Fassaden wackelten. Die Befürchtung in nationalen Kreisen wurde unüberhörbar, dass man in Zeiten echter Not nicht mehr zusammenstünde wie in früheren Perioden, da Kriege die Gesellschaft erschütterten.

Eigentümlicherweise bedurfte es des schlimmsten Kittes, den eine Gesellschaft benötigt, wenn sie gewahr wird, dass sie bis in ihre Grundfesten an Leib und Leben bedroht ist. Die brutalen Massenmorde, begangen durch 3000 Hamas-Terroristen, die den Nazischergen auf ihren Ermordungsfeldzügen des europäischen Judentums um nichts nachstanden, riefen schlagartig beinahe verdrängte Kollektiverfahrungen aus dem Holocaust wach. Der erlittene Schock liess die Israelis nicht erstarren, sie sannen nicht auf Rache, sondern auf Bereinigung des begangenen Unrechts durch unumstössliche Tatsachen. Der Gazastreifen sollte fortan als Fanal dienen, für alle Ewigkeit: Also geschieht – in biblisch-brutalem Ausmasse –, wer dem jüdischen Volke zu Leibe rückt.

Rund 60 Tage nach Kriegsbeginn bietet sich einem ein Bild des Grauens: Noch viel schlimmer als erwartet haben sich die Hamas und der mit ihr wetteifernde Islamische Djihad bis in die feinmaschigsten Kapillaren des Ober- und Untergrunds Gazas eingegraben. Kein Kindergarten, keine Schule, keine Moschee, kein Spital, kein Wohnblock, der nicht gesprenkelt gewesen wäre von Waffenarsenalen, Abschussrampen für Raketen, Sprengfallen und Vorratskammern für Tod und Verderben. Im Gegensatz zu früheren Waffengängen ist der Druck seitens der Zivilbevölkerung auf eine Lösung des Dauerproblems unübersehbar. Kein Land der Welt würde ein seit über 20 Jahren andauerndes Raketenbombardement seiner Dörfer und Städte zulassen.

Die Abpressung von Geiseln, indem man gerichtlich verurteilte Terroristen und Mörder freizulassen genötigt ist, hat nur insofern Zustimmung gefunden, als anders das Leben der geschundenen Babys, Kleinkinder und Frauen nicht zurückzugewinnen möglich gewesen wäre. Noch harren von den ursprünglich über 240 in die unterirdischen Verliesse der Hamas verschleppten und unter unmenschlichen Bedingungen gehaltenen Geiseln deren 121 zwischen Hoffen und Bangen aus. 16 von ihnen wurden inzwischen von ihren sadistischen Häschern ermordet. Die Bilder von den Entführungen und Verschleppungen sind vielfach viral gegangen, wurden sie doch von den Mördern und Missetätern gefilmt. Sie haben die Gesellschaft zutiefst aufgewühlt.

Die Angehörigen Entführter sind sich selber in die Haare geraten. Manche halten dafür, dass man um jeden Preis eine Waffenruhe anstreben sollte, um ihre Liebsten wieder zurückzuerhalten, andere wissen instinktiv, dass jeder Deal mit der vom Teufel gerittenen Hamas den Preis dermassen hochschrauben werde, dass Tausende gefährlichster Terroristen wiederum auf die Pirsch geschickt würden, um Juden gnadenlos abzuschlachten. Unvergessen bleibt die Loskaufsumme von über 1000 Terroristen, unter ihnen Yahya Sinwar, jetziger Hamas-Anführer, die für den in den Gazastreifen 2006 entführten Soldaten Gilad Schalit in die "Freiheit" zum erneuten bersekerhaften Morden im Dienste der Hamas entlassen wurden. Schalit schmachtete 5 Jahre, bis er freikam.

So, wie sich die Sachlage derzeit darstellt, haben die israelischen Streikräfte keinerlei andere Wahl, als die ihnen übertragene Aufgabe vollends zu erfüllen. Selbst, wenn sämtliche Infrastrukturen der kleinen Grossmacht Hamas und ihre unter Waffen stehenden mindestens 35'000 Söldner liquidiert oder in Gewahrsam genommen sind, wird Israel nicht umhin kommen, dauerhaft im 2005 einseitig verlassenen Gazastreifen zu verbleiben. Ausländischen Entflechtungsgruppen der UNO traut man nicht über den Weg. Im Libanon und Syrien haben sie den Beweis geliefert, dass sie ihrer Aufgabe nicht gerecht werden können. Nach Zerschlagung der Palästinensischen Autonomie 2006 und dem Gewinn der Wahlen durch Hamas 2007, wird nun ein gefährliches Vakuum entstehen.

Nachdem über 2 Mio. Gazaner, zu einem bedeutsamen Teil entwurzelt aus ihren Wohnorten, nicht über die ägyptische Grenzen ausreisen dürfen, um ihr Glück im Ausland zu versuchen, wird man israelischerseits die Lücke füllen müssen, indem man ähnlich wie in Judäa und Samaria (Westjordanland) im ländlichen Bereich militärisch zugange ist, und die Bevölkerung sich lokal verwalten lässt. Im arabischen Umfeld besteht eine grosse Chance auf Stabilität, wenn in den Bevölkerungszentren Familienclans für Ordnung sorgen. Im Gaza gibt es ein halbes Dutzend davon, westlich des Jordans etwa acht. Die in den Osloverträgen von 1993 und 1995 ausgehandelten Verträge über die palästinensische Autonomie sind mittlerweile kraft der Umstände hinfällig geworden.

Da Ramallah mit seinem diktatorisch regierenden Präsidenten Mahmud Abbas – er ist ausgewiesener Holocaust-Leugner, und wurde seit 13 Jahren nicht mehr im Amt bestätigt – die Kontrolle über die meisten Gebiete seiner autonom verwalteten Ländereien verloren hat, sowohl in Nablus, Hebron, Tulkarem, Kalkiliya, wie auch in Jenin, Tubas und anderwärts, wird man sich verwaltungsmässig eine neue Struktur einfallen lassen müssen. Nicht zu vergessen: Anders als durch die Medien dargestellt, ist die aus der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) hervorgegangene El Fatah um keinen Deut gemässigter als Hamas, die in ihrer Charta die totale Entfernung des israelischen Staatsgebildes sowie die Ermordung sämtlicher Juden der Welt verlangt.

Bleibt nach dem Verhallen der Schalmeienklänge der 90-er Jahre, die kurz nach dem Inkrafttreten eines politischen Lösungsansatzes in Form der Oslo-Verträge I und II in die 2. Intifada (2000/05) mit israelischerseits über 1000 zivilen Ermordeten und über 7000 Verletzten führte, die schauderhafte Erkenntnis nach den Hamas-Massakern in der westlichen Negev-Wüste mit etwa 1400 Toten und Tausenden weiterer Verletzter sowie Entführter, die auch die vehementesten Friedensengel der israelischen Gesellschaft – vorwiegend in den sozialistischen Kibbuzim zu finden – nicht verschonte, dass man den Realitäten ungeschminkt ins Auge schauen muss. Sämtliche Toten Gazas gehen auf Kosten der Hamas, denn das friedfertige Israel ermordet keine Unschuldigen.

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